Anmerkungen zur Rotwildzucht weltweit und auf Gut Gollin
Meine Passion, die Jagd, hat mich in verschiedene Länder geführt, um auf den Rothirsch zu jagen. Ich habe Rotwild bejagt in Ungarn, Vojvodina (Serbien), Bulgarien, Rumänien, Litauen, Ukraine, Weißrussland, Russland, Polen und Neuseeland. In den Ländern entlang der Donau hat es schon immer Rotwild gegeben, ebenso in Polen, Litauen, Ukraine und Weißrussland. In Russland und vor allem Neuseeland ist Rotwild eingesetzt worden und hat sich prächtig entwickelt. Die eingesetzten Bestände in Russland kommen vornehmlich aus den früheren Ostblockstaaten wie Polen (Rominten/Masuren) Ungarn und Jugoslawien, die Bestände in Neuseeland sind zu 90 % aus englischen Zuchtbetrieben, wie Woburn, Warnham, Furzeland und Midmar Castle eingeführt worden. Jedoch auch von deutschen Betrieben wie Schulte Wrede, Poing und Grabowski.
Seit Mitte der 90iger Jahre beschäftige ich mich mit dem Thema Rotwildzucht. Neben der Suche nach einem geeigneten Standort habe ich mir Zuchtbetriebe in England, Schottland, Neuseeland, Belgien, Österreich und Deutschland angesehen und konnte dabei viele Varianten von Gatteranlagen, Handlingsystemen und Wildzäunen vergleichen. Beeindruckend waren die Zuchtbetriebe in Neuseeland und England, die sowohl von den Handlingsystemen und Zaunanlagen wie auch vom Management und vor allem vom qualitativ einzigartigem Tierbestand sehr weit entwickelt waren. Künstliche Besamung von ausgesuchtem Kahlwild sowie Embryotransfer gehört hier zum Standart. Aber auch das Handling der Tiere und die Zaunanlagen fallen auf durch Effektivität und Stabilität. Es werden nur Pfosten- und Zaunmaterialien eingesetzt, die sehr robust sind und eine lange Lebensdauer haben, über 30 Jahre. Jeder Zuchtbetrieb arbeitete mit einem Handlingsystem (mechanisch oder hydraulisch) für das Wild und kam ohne jegliche Immobilisierung (Narkotisierung) der Tiere aus. Der Aufwand und das Risiko einer Immobilisierung war jedem Züchter zu hoch. Großen Wert legten die Züchter darauf, den Bestand, der oft mehrere tausend Tiere umfasste, mehrfach pro Jahr gegen innere und äußere Parasiten zu behandeln (Dectomax). Eine der wichtigen Voraussetzungen für Zuchterfolge ist ein parasitenfreier Bestand!
Unvorstellbar, ein Spießer von Deer Genetics Neuseeland
Um mehrere 100 oder 1000 Tiere effektiv mit Injektionen gegen Lungenwürmer, Magen- und Darmparasiten zu schützen, braucht man effiziente Handlingsysteme, damit ein ganzer Bestand innerhalb kürzester Zeit behandelt werden kann. Die Rotwildzucht in England und Neuseeland ist auf dem Niveau, wie hierzulande die Pferde- und Rinderzucht.
Woburn Abbey
Nördlich von London, unweit des Flughafens Luton, liegt Woburn Estate. Der 15. Duke of Bedford ist der Hausherr in diesem wunderschönen Areal. Ein Großwildpark mit Elefanten und Löwen, ein Golfressort mit internationalen Turnieren, das größte Antiques Centre außerhalb Londons und vor allem eine weltberühmte Rotwildzucht gehören zu den Aktivitäten von Woburn Abbey. Ein großes weißes Schloss wird umrahmt von einem traumhaft schönen Park mit uraltem Baumbestand. Mehrere hundert Jahre alte Eichen und Buchen schmücken diesen Park und geben eine traumhaft schöne Kulisse für Pere David Hirsche, Rotwild, Axis, Rusa, Barasingha, Manschurei Sika, Damhirsch, chinesisches Wasserreh und Muntjak ab. Ein Wiedereinbürgerungsprogramm von Pere David Hirschen in China war nur möglich mit Zuchttieren von Woburn Abbey.Die Rotwildzucht findet auf einer ca. 50 ha großen Farm neben dem Park statt. Deer Manager Callum Thomson leitet die Rotwildzucht mit großem Erfolg. Das Zuchtziel bei der Woburn Blutlinie sind Hirsche mit dicken Stangen und bis über 50 Enden. Hierbei bleibt naturgemäß die Stangenlänge etwas auf der Strecke. Woburn Hirsche haben durchschnittlich eine Stangenlänge von 90 bis 100 cm, Ausnahmen auch bis 110 cm. Wir haben im Jahr 2005 einen Zuchthirsch (Drew, 12. Kopf) von Woburn Abbey gekauft und in unserer Zucht eingesetzt. Drew, der mehrere Jahre als Zuchthirsch auf Woburn Abbey eingesetzt war, hatte eine Stangenlänge von 108 cm und 38 Enden.
Russel im 14.Kopf auf Woburn Estate
Drew, 4. Kopf auf Woburn Estate––––––––Drew 12. Kopf auf Gut Gollin –––––––––––––––––––Drew, 12. Kopf auf Gut Gollin
Callum Thomson, der Manager von Woburn Estate
Hirschkälber auf Woburn Estate im November
Typischer Woburnhirsch, dicke Stangen, viele Enden, schaufelartige Krone
Warnham Park, Bailing Hill Deer Farm
Warnham Park in Sussex, ca. 15 min Autofahrt vom Flughafen Gatwick, wurde 1851 gegründet. Im Jahr 1865 übernahm die Lucas Familie Warnham Park, die den Park und die Farm nach ca. 150 Jahren auch heute noch durch Jonathan Lucas bewirtschaftet. Die Zuchtziele der Warnham Blutlinie sind lange Stangen, bis 125 cm und Auslagen bis 110 cm. Zwangsläufig blieb dabei die Endenzahl auf der Strecke. Hirsche mit mehr als 26 Enden sind eher eine Ausnahme. Auch hier wird das System praktiziert, Rotwildhaltung im Park, Rotwildzucht mit Hirsch und Kahlwild Identifikation auf der Farm. Sämtliche Gatter liegen an einem Treibweg, der in einer trichterförmigen Vereinzelung mit anschließender Fixierstation endet. Hier können alle Behandlungen durchgeführt werden, von den TB und Brucelose Tests bis zum Markieren und Absägen der Geweihe. Kein einziger Betrieb in England kommt ohne dem Absägen der fertig gefegten Geweihe aus, da die Verletzungs- und Tötungsgefahr kämpfender Rothirsche zu groß ist.
Historisches Eingangstor Warnham Park
wunderschöner Park im Herbstlaub
Wir haben 20 Stück Kahlwild in 2006 von Warnham Park eingeführt und in unsere Zucht integriert.
typische Watnham Hirsche, lange Stangen, große Auslagen, max. 26 Enden
Zuchthirsche von Bailing Hill Deerfarm können auf www.warnhampark.com angesehen werden

In fast allen bedeutenden Zuchtbetrieben in Neuseeland ist die Warnham Blutlinie vertreten, sie gehört zweifelsohne zu den „Top Ten“ weltweit.

Furzeland Deerpark
Weit im Westen Englands, an der M5 (Bristol - Exeter) Ausfahrt Tiverton, liegt der Furzeland Deerpark. Michael Gage ist Manager dieser Farm, die in den 70er Jahren von Dr. John Henshaw gegründet wurde. In den 80er Jahren stieß Graham Carr als Gesellschafter dazu. Furzeland hatte das Ziel, die jeweiligen Hauptzuchtmerkmale von Woburn und Warnham zu kombinieren.
. In den 90iger Jahren wanderte Graham Carr nach Neuseeland aus und nahm 60 Stück Rotwild per Boing Jumbo Jet mit nach Neuseeland. Dort gründete er die Farm Peel Forrest Estate. Unter den Zuchthirschen waren so außergewöhnliche Hirsche wie Jamieson, Sohn von Jamie, und George. Jamie blieb auf der Farm in England und verendete tragisch nach einem Brunftkampf. Mike Gage trauert diesem außergewöhnlichen Hirsch noch heute nach, da das Unglück während eines Krankenhaus Aufenthaltes von ihm passierte
George und Jamieson in der neuen Heimat Neuseeland Jamie und Jamieson auf Furzeland in Devon/England
Wellington im 5.Kopf, ein Meilenstein in der Furzelandzucht
Ein Sohn von Arthur war Wellington, der wiederum Vater von Jamie war. Bei vielen Züchtern aus Neuseeland tauchen im Pedigree immer die selben Blutlinien auf , Woburn, Warnham und Furzeland aber auch Schulte Wrede und Grabowski.
Dieser Ausnahmehirsch wurde gezüchtet von Rebecca und Don Bennet, Deer Genetics Neuseeland
Aber zurück zu Furzeland in Devon/England. Mike Gage züchtete weiter mit dem Bestand, der nach der Umsiedlung von Graham Carr nach Neuseeland in Devon verblieb. Jamie sollte dabei eine exponierte Rolle spielen, verendete aber auf tragische Weise, so dass Mike nur mit den Nachkommen von Jamie weiterzüchten konnte. Ende der 90iger Jahre hatte er mit Mickey und Bonar wieder 2 Hirsche, die an die Ära Jamie, Jamieson und George anknüpfen konnte.
Motsumi DG im 5. Kopf, 13.03 kg Geweihgewicht, 451 SCI Punkte, ungerade 34 Ender, auch in seinem Stammbaum findet man Furzelandhirsche wie Wellington, Jamie, ebenso Warnham und Schulte Wrede
Bonar, Nachkomme von Jamie––––– ––––––––––––Mike Gage, seine Tiere sind handzahm–––––––––– Mickey während der Brunft 2005
2005 haben wir von Furzeland 25 Stück Kahlwild, 15 Spießer, einen 3. Kopf (Dakota) und Bracken übernommen, der als Spießer schon 34 Enden hatte.
Bracken, 34 Enden als Spießer –––––––––––––––––Brackens Vater, Mickey ––––––––––––––––––––––Dakota, 3. Kopf
Midmar Castle Warnham Herd
Hoch oben in Schottland, unweit von Aberdeen, liegt Midmar Castle. Eine wunderschöne Lage, hügelig und ein ständiger Wechsel zwischen Grünland und Wald. Das Areal drängte sich geradezu zur Rotwildzucht auf. Midmar Castle ist ein wunderschönes Schloss, voll mit Antiquitäten und Ritterausrüstungen mehrerer Jahrhunderte. Die Schlossherren sind Jackie und Ric Wharton. Ric machte in jungen Jahren von sich Reden, als er einen 5 Tonnen Goldschatz aus einem Schiffswrack barg, dass die deutsche Wehrmacht im 2. Weltkrieg in der Barents See versenkt hatte. Gold, womit Russland seine Waffenlieferungen aus dem Westen bezahlen wollte.
Ric Wharton beim "dehorning"
Ric übernahm in den 80iger Jahren einen Bestand von pure Warnhams und fing an, Rotwild zu züchten. Er legte großen Wert darauf, die Warnham Blutlinie rein zu halten und kreuzte nie andere Blutlinien ein. Ich wurde auf diesen Züchter durch Ludo Braekman aus Belgien aufmerksam, der ein joint venture mit Midmar Castle hatte. Einen Jagdurlaub im Jahre 2004 auf Rehbock in Schottland nutzte ich, um mir diese Zucht einmal anzusehen. Was ich zu sehen bekam war in höchstem Masse beeindruckend und ich beschloss, für unseren Anfang auf Gut Gollin, ca. achtzig Tiere zu importieren. Anfang September 2005 besuchte ich Midmar Castle ein weiteres Mal, um mir das Handling mit den Tieren, z.B. Absägen der Geweihe und Injektionen gegen Parasiten, anzusehen.
Ich suchte insgesamt für unseren Anfang auf Gut Gollin aus:
40 Stück Kahlwild in Altersstufen bis 9 jährig
16 Hirsche vom 4. bis 6. Kopf
17 Spießer, davon 5 Söhne von Sovereign, einem absoluten Top Hirsch, der vor 2 Jahren an den Emir von Katar verkauft wurde
Gatteranlage von Midmar Castle (oben)
Sovereign im 5. Kopf, 48 Enden (rechts)
Dieser Hirsch wurde 2007 an den Emir von Katar verkauft und steht heute als Zuchthirsch in Südfrankreich.
Ohrmarke 999(208) in seinem letzten Jahr auf Midmar Castle, auf Gut Gollin importiert April 2006
Nr. 475, im 3. Kopf, Sohn von Sovereign
Wir haben alle Tiere ummarkiert als die Tiere 2006 geliefert wurden, daher die verschiedenen Ohrmarken – Nummern. Sämtliche Tiere, die wir von Midmar Castle importiert haben, haben sich auf Gut Gollin gut eingelebt. Den Transport hat für uns ein belgisches Unternehmen durchgeführt, das auf Rotwildtransporte spezialisiert ist. Der Transport dauerte 3 Tage von Aberdeen zu uns.

Zu erwähnen sind natürlich noch die 3 führenden Züchter in Neuseeland:
Deer Genetic
www.deergeneticsnz.co.nz
Stanfield Bushey Park
www.stanfield.co.nz
Peel Forest Estate
www.peelforestdeergenetics.com

079 in 2005 auf Midmar Castle
Nr. 882(210) im Jahr 2005 auf Midmar Castle
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